Alle Beiträge von Bernd Wilmer

Luftübung für alle Blasinstrumente

Diese Übung ist besonders zum Synchronisieren der Luftführung im Blasorchester geeignet.
Man spielt eine Phrase, indem man den Zischlaut »zszszszs…« erzeugt und zur gleichen Zeit die Töne der Phrase greift, quasi wie im realen Spiel, aber anstelle der Tonerzeugung tritt der Zischlaut »zszszszszszs…«.

Ausführung:
Die Zunge füllt den oberen Gaumen innerhalb der Zähne aus und die Zungenspitze liegt an der Innenseite der unteren Schneidezähne an. Kein »sch« oder »ß«, sondern ein scharfes, helles »zszszszszszs« erzeugen.
Der Luftwiderstand und der Luftverbrauch sollen dem eigenen Instrument entsprechen. Das bedeutet, die Kieferöffnung so zu wählen, dass das Zischgefühl dem Spielgefühl annähernd gleich wird.
Falls beim Zischen die Luft länger reicht als im normalen Spiel, ist die Öffnung zu eng bzw. der Luftdruck zu gering. Etwas mehr Luftverbrauch ist nicht schädlich.
Das Ende der Phrase immer mit einem plötzlich offenen, entspannenden »ah!« beenden und somit den Einatemvorgang einleiten.
Tipp: Immer zuerst real spielen und erst danach zischen, damit die Intensität der Übung nicht zu niedrig und somit unwirksam ist.

Artikulation:
Zwischen getrennten Tönen soll der Zischlaut nicht aufhören. Den Durchlass nur verengen, aber den Luftstrom nicht beenden. Schnelles Staccato wie gebunden zischen, da diese schnelle Bewegung der Zunge beim Zischen nicht möglich ist.

Instrumentenhaltung:
Wie im realen Spiel, lediglich das Mundstück am Kinn oder auch darunter (Klarinetten, Flöten), fixieren, damit ein identisches Spielgefühl entsteht. Die Töne bewusst und sicher mitgreifen. Genauso sämtliche Spielanweisungen (Dynamik, Akzente, Artikulation usw.) mitspielen bzw. zischen.

Einsatz in der Probe:
Den zu probenden Teil real spielen. Dann intensiv zszsischen, eventuell auch zweimal. Danach sofort real spielen. Das Schlagwerk leise dazu spielen lassen. Während der Zischübung die Spielanweisungen dem Orchester durch Ansagen verdeutlichen. Die Übung hat auch einen großen Effekt, wenn man das Metronom dazu benutzt. Stets nach dem Zischen sofort den geübten Teil real spielen um das Spielgefühl zu etablieren.

Hohe Töne lernen

Warum können manche auf der Trompete hoch spielen und andere kommen, auch wenn Sie noch so viel üben, beim Thema Hohe Töne auf keinen grünen Zweig?

Während man früher in letzterem Fall dem Trompeter einfach ein Baritonhorn in die Hand gedrückt hat und völlig unzutreffend von fehlenden anatomischen Voraussetzungen gesprochen hat, ist heute klar, welche Faktoren tatsächlich ein hohes Register ermöglichen oder aber verhindern.

Schauen wir uns zunächst einmal an, welche grundlegenden Zusammenhänge es gibt. Dann kannst Du einordnen, welche Fehler Du bisher möglicherweise gemacht hast, bzw. woran Du besonders intensiv arbeiten musst. Denn alles Üben bringt nichts, wenn man in die falsche Richtung geht. Oder anders herum: dass die Richtung stimmt ist wichtiger als das wie schnell man vorwärts geht, einverstanden?

Wie erzeugt man hohe Töne auf der Trompete?

Um auf der Trompete einen Ton zu erzeugen müssen die Kraft der Luft und die Kraft der Lippen im Gleichgewicht sein. Wenn man lauter und/oder höher spielt, und damit die Kraft der Luft erhöht, muss man auch die Gegenkraft der Lippen erhöhen.

Das bedeutet, dass die Lippen nicht alleine die Ursache für die Tonhöhenveränderung sind, sondern “nur” auf die anderen Faktoren reagieren! Sie tun das übrigens automatisch, du kannst das nicht bewusst steuern.

Die Kraft der Luft kannst du erhöhen, indem du

  • mehr Luft bläst, dann wird der Ton lauter
  • den Mundraum mit der Zunge enger machst, dann wird der Ton höher.

Probiere letzteres mal für dich aus, indem du schnell hoch und runter pfeifst. Dabei müsstest du eine deutliche Zungenbewegung wahrnehmen können. Ähnliches findet auch beim Trompete spielen statt.

Das Modell nochmals zusammengefasst: um höher zu spielen verkleinerst du den Mundraum und die Lippen reagieren darauf mit mehr Anspannung bzw. rollen etwas ein, damit das Gleichgewicht von Luft und Lippen erhalten bleibt.

Warum hohe Töne auf der Trompete nicht kommen.

Was steht also der Höhe konkret im Wege? Welches sind die wichtigen Hebel, an denen sich zu arbeiten lohnt? Und wie sollte diese Arbeit dann aussehen? Schauen wir uns drei Faktoren an:

Alles Kopfsache?

Das erste was Höhe im Wege steht ist – wie so oft – dein Kopf. 🙂 Du hast also irgendwelche Konzepte von Höhe, zum Beispiel

  • dass es schwer ist,
  • dass du schon immer Probleme damit hattest,
  • dass deine Lippen zu dick und
  • du zu unbegabt bist…

Das wird dann zur selbst erfüllenden Prophezeiung, d.h. selbst wenn du eigentlich von deinem Können her in der Lage wärest, bereits viel höher zu spielen, sabotierst du dich hier selbst.

Der Gebrauch des Selbst

Dann ist da die Frage, wie Du selbst mit dir umgehst. Also:

  • bist du verspannt?
  • ist deine Atmung locker?
  • stehst du balanciert usw.

Denn diese Grundvoraussetzung wird von den meisten hoffnungslos unterschätzt. Übermäßige Körperanspannung verstärkt sich, wenn die Ansprüche höher werden. Ausgewogene Körperspannung ermöglicht leichtes Spiel in jeder Lage.

Kommen wir nun zu konkreteren Trompeter Problemen:

Koordination und Geschicklichkeit

Es ist entscheidend, dass du die am Spiel beteiligten Kräfte gut koordinieren kannst. Dass z.B. der Kiefer oder der Hals nicht zugehen, wenn du mit der Zunge nach oben gehst (für einen höheren Ton s.o.). Oder du hierbei die Lippen auseinanderziehst.

Warum passiert das überhaupt?

All das hängt damit zusammen, dass wir im Alltag Zunge, Kehlkopf, Kiefer, Lippen gemeinsam gebrauchen. Beim Sprechen oder Essen beispielsweise.

D.h. es ist über Jahre und Jahrzehnte eingeübt worden, dass beim Vokal [i], wo die Zunge weit oben ist (hoher Ton), die Lippen gleichzeitig auseinander zu ziehen. Manche sprechen vom “lächelnden Ansatz”, vielleicht hast Du davon gehört? Das ist aber sehr ungünstig, weil durch die Dehnung die Lippen weniger Kraft haben, während sie für den hohen Ton aber mehr Kraft brauchen. Außerdem ist der Kiefer relativ weit zu, so dass wenig Luft hindurchgeht, was auf der Trompete dann laute, hohe Töne unmöglich macht.

Du musst also eine neue Art der Koordination dieser Teile mit speziellen Übungen trainieren.

Damit du immer geschickter und ökonomischer wirst.

Immer mehr also von dem tust, was nötig ist und immer weniger von dem, was nicht nötig ist. Dann stehen diese Alltagsgewohnheiten den hohen Tönen nicht mehr im Wege, sondern Du kannst im Gegenteil genau das einüben, was Höhe auf der Trompete erst möglich und dann leicht macht!

Dann erst lohnt es sich übrigens Kraft zu trainieren…

Kraftaufbau für Hohe Töne Trompete

Inzwischen sollte klar sein, dass Du zuerst an Geschicklichkeit arbeiten musst.

Warum?

Wenn Du lernst, die dir zur Verfügung stehende Kraft optimal zu nutzen, also geschickter wirst, dann fällt dir alles leichter. Wenn Du dabei auch noch lernst Anspannungen oder Bewegungen bleiben zu lassen, die dem Spiel im Wege stehen (z.B. Hals zu, Pressen usw.), dann kann dein Tun erst so richtig seine Wirkung entfalten. Dann brauchst Du viel, viel, viel weniger Kraft und erreichst mehr.

Deswegen sollte ein Training der Geschicklichkeit immer der erste Schritt sein.

Dann kannst Du dich auch um Kraft kümmern. Und hier ist die Frage, was genau Du trainieren musst. Die erste Idee zielt immer auf die Lippen. Der zweite Muskel wird häufig vernachlässigt: die Zunge! Die ja, wie wir oben gesehen haben, für die Luft zuständig. Beide Muskeln kann man sehr gezielt trainieren – Bodybuilding für Lippen und Zunge, gewissermaßen.

Lernen von Wissen funktioniert völlig anders als Lernen von Verhalten

Es ist sehr wichtig diese Unterscheidung zu treffen und die Konsequenzen für dein Üben daraus zu ziehen.

Wenn Du dir Wissen aneignen willst, dann funktioniert das ungefähr so:

Hier siehst Du, dass der alte Spruch „Aller Anfang ist schwer“ stimmt. Ganz am Anfang, wenn ein Thema noch neu ist, gibt es noch nichts oder nicht viel, woran neue Informationen sich “anheften” könnten – je mehr man weiß, desto mehr leichter und schneller kann man neue Informationen hinzufügen.

Ganz anders: das Lernen von Verhalten

Lernen von Verhalten läuft über sogenannte Lernplateus ab:

Auf der Plateuphase müssen für jeden Bewegungsablauf im Hirn bevorzugte Nervenbahnen gebaut werden – und das braucht Wiederholungen und Zeit. In dieser Phase scheint es so, als ob nichts voranginge, oft geht es sogar bergab.

Man bemerkt von den “Bauarbeiten” im Gehirn nichts, bis es zu einem Schub kommt: plötzlich geht alles viel besser, leichter, höher, schöner als vorher. Die Arbeit und das Durchhalten haben sich ausgezahlt, du bist jetzt auf einem höheren Plateu. Nach der Euphorie des Erfolgserlebnisses kommt ein kleiner Abfall und dann passiert wieder nichts. Scheinbar nichts, denn unterbewusst lernst Du ja weiter.

Im Gegensatz zur Lernkurve beim Aneignen von Wissen wird es mit zunehmender Fertigkeit eben NICHT leichter, sondern das Plateu-Spiel geht immer so weiter. Deswegen:

Freunde dich mit dem Plateu an.

Wenn du das Prinzip verstanden hast, fällt es dir leichter in der Plateuphase Motivation zu finden. Das ist wichtig, denn 99% der Zeit bist du auf einem Plateu.

Projektorchester für einen großen Auftritt zugunsten der Hospiz-Stiftung Gifhorn

Bernd Wilmer ruft Gifhorner Musiker zu einem Projektorchester für einen großen Auftritt zugunsten der Hospiz-Stiftung Gifhorn zusammen.

Der große Auftritt im November im Gemeindezentrum Meine ist der Hospiz-Stiftung Gifhorn gewidmet.

Mit dem Konzert eines großen sinfonischen Blasorchesters aus dem Raum Gifhorn-Braunschweig will Kreisstabführer Bernd Wilmer die Arbeit der Gifhorner Hospizstiftung unterstützen. Nicht zum ersten Mal trommelt Wilmer ein Projektorchester um den Kern der Feuerwehr-Musikzüge des Kreisfeuerwehrverbands Gifhorn zusammen, doch bei dem großen Auftritt am 23. November im Gemeindezentrum Meine bekommt der Benefizgedanke diesmal besondere Bedeutung.

Zurzeit schart der Vordorfer Dirigent interessierte Musiker um sich, die an ihrem Können feilen wollen und sich auf das Zusammenspiel mit versierten Instrumentalisten im großen Orchester freuen.

Das Programm steht bereits. Es wird ein Vergnügen für Musiker und Zuhörer gleichermaßen: Summertime Stomp gehört dazu, ein Potpourri der 1980er Jahre unter dem Teil Eighties Flashback, ein Marsch Konfetti, Filmmusik aus James Bond und Jurassic Park sowie Musicalklänge aus Mary Poppins. 

Geprobt wird vor dem Auftritt im engen Rhythmus am 2., 10. und 16. November. Zu den Registerproben am 10. November kommen externe Dozenten hinzu. Wilmer verspricht: „Unser Projekt bietet nicht nur neue musikalische Erfahrungen, sondern ist auch eine tolle Gelegenheit, um andere Musikfreunde persönlich kennenzulernen.“ Ziel sei es, motivierte und fortgeschrittene Musiker aus dem Raum Gifhorn-Braunschweig zu einem großen sinfonischen Blasorchester zusammenzuführen.

Ein paar Voraussetzungen müssen die Musiker aber mitbringen: Ihr Instrument sollten sie bereits seit mehreren Jahren spielen. In die Noten sollten sie sich noch vor den gemeinsamen Probeterminen zu Hause einlesen. Und sie sollten bei allen Soloqualitäten gern mit anderen Musikern zusammenspielen. Besonders gesucht sind Oboisten und Fagottisten.

Die Hospiz-Stiftung Gifhorn als Empfänger der Konzertspende hat gerade den Bauantrag für das Gifhorner Hospiz mit acht Patientenzimmern bei der Stadt eingereicht. Bei erwarteten Baukosten von mehr als sechs Millionen Euro zählt jeder Euro an Hilfsgeldern. Schon 2020 soll mit dem Bau begonnen werden.

Rückfragen und Anmeldungen sind bei Initiator und Gesamtleiter Bernd Wilmer möglich unter Ruf (05304) 901160.

https://www.wilmer-vordorf.de/projektorchester-gifhorn/

 

Christian Franz

Gifhorner Rundschau

16.08.2019

 

Registerworkshop im November 2018

vom 24.-25. November 2018

Hier die Ausschreibung

Registerworkshop für Bläser Seite 1
« 1 von 4 »

 

„Egerländer Stilistik“

Profi vermittelt Lebensgefühl böhmischer Polka-Musik

Der bekannte Blasmusiker Berthold Schick gibt einen Workshop für Feuerwehrmusiker.

Meine. Spezielle Lehrstunden in Sachen Blasmusik standen am Wochenende im Gemeindezentrum Meine auf dem Programm. Vor allem Instrumentalisten von Feuermusikzügen aus dem Kreis und darüber hinaus wollten von einem echten Profi erfahren, wie man richtig im Egerländer Stil spielt. „Diese Musikrichtung, die aus Böhmen stammt, ist Polka mit einem ganz besonderen Groove“, beschrieb Bernd Wilmer, Ausbildungsleiter im Meiner Feuerwehrmusikzug und zugleich auf Niedersachsenebene.

Für tiefgehende Einblicke in die technisch anspruchsvolle Dynamik der im Norden nicht so verbreiteten Stilistik hatte Wilmer mit Berthold Schick, unter anderem jahrelanges Mitglied des legendären Ernst-Mosch-Ensembles „Egerländer Musikanten“, einen charismatischen Lehrer nach Meine geholt. Einer beherzten Ansage wie „nicht so gewalttätig anblasen!“ des Vollblutmusikers folgte umgehend ein schelmisches Lachen. Man müsse diese Musik ernst nehmen, um zugleich die ansteckende Lebensfreude darin beim Publikum zu erreichen, appellierte Schick an die Teilnehmer zur Achtsamkeit auf handwerkliche Grundlagen beim Spiel.

Auch Samtgemeindebürgermeisterin Ines Kielhorn nahm sich bei ihrem Besuch im Workshop viel Zeit, um etwas über „das Lebensgefühl Egerländer Polka-Musik“ zu erfahren.

Text: GR Stefan Lohmann

 

 

D1 Lehrgang